Die Frage nach dem Verbrauch ist auch und gerade bei e-Mobilen eine sehr zentrale. Normalerweise meint man mit der Frage „Was verbraucht Dein Auto denn so?“ den Durchschnittsverbrauch oder gar den bestmöglichen Verbrauch. Selten wird man nach dem Maximalverbrauch gefragt und wenn, dann nur um festzustellen, wie weit die Anzeige denn geht. Das soll aber heute nicht Inhalt der Betrachtung sein. Es geht nur um das Zusammenspiel von ACC (Automatische Geschwindigkeitsregelung mit Distanzregelung mit Anfahren und Bremsen bis zum Stand) und einer Steigung.

Es geht also um den Spitzenverbrauch, zumindest um den maximal anzeigbaren, von 99,9 kWh/100km im e-Golf. Mit diesem Verbrauch kommt man mit dem e-Golf ungefähr 21km weit, das kann also nicht das Ziel sein, sehr lange damit zu fahren. Was also soll diese Betrachtung?

Im e-Golf gibt es eine kleine runde Anzeige Leistungsanzeige die Leistungsverfügbarkeit. Diese Anzeige zeigt mehr oder weniger direkt die aktuelle Verfügbarkeit der Maximalleistung der e-Maschine an. Sie steht bei normalem Fahren stoisch am Ende des Max.-Balkens. So stoisch, dass man glauben kann, sie tut gar nichts. Bis, ja bis, man die 99,9kWh/100km ein paar Sekunden lang gesehen hat, dann fängt der Zeiger an, sich zu bewegen. Allerdings sehr, sehr langsam (im Video ca. ab Sekunde 50). Was zeigt diese Anzeige also an? Im Extremfall, dass die e-Maschine zu heiß ist und nicht mehr die volle Leistung bringen kann. Trotz gelegentlichem Versuchs, habe ich es noch nie geschafft, solch einen Zustand herzustellen.

Auf meinem Nachhauseweg komme ich an eine Ampel, von der aus es Zweispurig den Berg hoch geht. Es ist auf 100km/h begrenzt und nach etwas über 2km verengt sich die Straße auf eine Spur. Im Feierabendverkehr kann man also maximal von der Ampel bis ans Stauende vor der Verengung am Stück fahren, dann geht es im Kolonnenverkehr weiter. Auf ca. 2km geht es 77m nach oben, dabei sind die ersten 1000m deutlich steiler (etwa 60 Höhenmeter) als der Rest (17m hoch und am Schluss schon wieder langsam abwärts).

Hier die Strecke als Screenshot von Google Maps:

Videostrecke

Zum Filmen habe ich das Handy am Lenkrad befestigt, dadurch wackelt das Bild ein wenig…

– 0:16: Anfahrt an die rote Ampel bis zum Stillstand mit ACC

– 0:30: Es wird Grün, kurz das Fahrpedal antippen und ACC legt los

– 1:25: Das Stauende wird erkannt

– 1:45: kurz vor dem Stillstand schaltet sich das Handy leider ab

Man sieht schön, dass bei ACC plus gelegentliches Überregeln den Berg hoch schon bei wenigen km/h der maximale Momentanverbrauch erreicht wird. Auch das ACC schafft es locker an die Obergrenze beim Beschleunigen, und beim Abbremsen auf den Rekuperationswert -98,8kWh/100km zu kommen. Gefahren wurde im Normalmodus, ohne Klima oder Lüftung aber mit offenen Fenstern.

Zur Statistik:

Gefahren ca. 2km, Reichweitenverlust 16km, Außentemperatur 22 Grad, trocken.

EOS 700D_2015_06_14_1913

Gestern durfte ich mit Electrify BW zum ersten Sicherheitstraining nur für e-Mobile in Vaihingen/Enz. Als einziger von zehn Teilnehmern bin ich mit  einem deutschen e-Mobil dabei gewesen. Da kam ich mir schon sehr einsam vor. Es waren vertreten: 3 mal Renault Zoe, 2 mal Tesla Model S, einmal Renault Fluence ZE, einmal Kia Soul EV, einmal Nissan Leaf, einmal Think City und mein e-Golf.

Tweet von Electrify BW mit Gruppenfoto

Ich möchte vorausschicken, dass dies nicht mein erstes Sicherheitstraining mit einem Auto war, und dass ich vor wenigen Wochen erfolgreich ein Training mit hoch-motorisierten Fahrzeugen bestanden habe. Von daher hatte ich die Erwartung, dass mit dem e-Golf nichts überraschendes passieren kann.

Weit gefehlt. Das Auto und seine Helferlein sind toll, aber:

Eine der ersten Übung: Vollbremsung. Das kann ich locker mit allen Autos, die das unterstützen, bis zum Warnblinken, selbst bis zum Abschalten des ABS wegen Überhitzung habe ich es schon geschafft.

Auf nasser Fahrbahn (Asphalt mit dem Schlauch bespritzt) mit dem e-Golf dagegen nicht. Die Bremslichter scheinen zwar geblinkt zu haben, die Warnblinkanlage ging aber erst an, als ich bis auf den trockenen Asphalt rutschte, und die Reibung deutlich größer wurde.

Eine der nächsten Übungen: Vollbremsung auf wenig griffigem Belag mit Ausweichen auf griffigeren Belag. Es gab einen beschichteten Bereich und den normalen Asphalt, beides wurde nass gespritzt. Die Fahrspur war so angelegt, dass man mit auf der linken Spur auf dem schlechteren Belag war und nach rechts ausweichen sollte. Wie auf einer Autobahn, einziger Ausweg ist der Standstreifen.

Normalerweise schaffe ich sowas auch. Wenn nicht beim ersten Mal, dann bei der Wiederholung. Mit dem e-Golf dagegen geht es aber nur entweder geradeaus, oder mit zu viel Lenkung irgendwie in die Pampa (Leitplanke oder wahlweise das Hinternis).

Eine weitere Übung: Ebenfalls auf rutschigem Belag (entspricht nassem Laub, also Herbst) bremsen und ausweichen. Mit 40km/h kein Problem, mit 45km/h schaffte das irgendwann sowohl der Tesla, oder die beiden Zoe und sogar Think City aus meiner Gruppe. Ich dagegen keine Chance mit dem e-Golf!

Die Bemerkung des Instrukteurs dazu: „Du lenkst richtig, aber Deine Reifen scheinen das nicht umsetzen zu können“
EOS 700D_2015_06_14_1916
Ergo: Die Conti eContact des e-Golfs sind auf rutschigen Fahrbahnen (Nasses Laub im Herbst) unfahrbar, da sie, vor allem beim Bremsen, nur geradeaus können.

Sucht man im Web nach Testberichten zu diesem Reifen, findet mal überraschender Weise sehr viele gute Bewertungen zum Fahrverhalten bei Nässe. Aber nur für die 185er Version, die auf dem Golf montierte 205er Version, bekommt überall nur unterdurchschnittliche Werte.

Beim TCH sogar die 3. schlechteste Bewertung auf Nässe.Laut diesem Test ist der Reifen nach europäscher Norm mit B/B/71 bewertet. Da gibt es Reifen, die B/A/68 sind und nur im Komfort und Verschleiss weniger gut, dafür auf Nässe aber deutlich besser sind.

Morgen frage ich bei VW an, ob ich andere Reifen bekomme. Denn mit diesen Reifen möchte ich nicht in den Herbst kommen.

Auf der Schleuderplatte habe ich dann nicht schlecht gestaunt, als der Front Assist vor einer Kollision mit dem Wasserstrahl gewarnt hat. Mit dem Limiter konnte man sich sehr gut auf die Übung konzentrieren und musste nicht immer aufpassen, dass man die richtige Geschwindigkeit fährt. Wären also die Reifen besser gewesen, hätte das Ganze noch viel mehr Spass gemacht.

Sehr interessant war auch, dass das hohe Anfahrmoment der e-Mobile regelmäßig zu Eingriffen des ASR führte. Bei allen Fahrzeugen mit diesem System!

Gegen Ende des Sicherheitstraining kam eine Crew von N24 und hat uns gefilmt. Ich wurde auch noch interviewt, da habe ich meine Meinung zu den Reifen ausgedrückt. Mal sehen ob und wann die das senden. Wenn ich es finde, werde ich den Link dazu hier veröffentlichen.